Akademie der Bildenden Künste München

Auch im Ausstellungsjahr 2006 kommen Studenten ins Glasmuseum Alter Hof Herding in Lette. Von März bis Juli präsentiert die Ausstellung rund 40 Objekte und Bilder aus Glas von 17 Studentinnen und Studenten der Akademie der Bildenden Künste München.

Eigenwillig und individuell wie die Studenten sind auch alle Exponate. Nicht nur, weil die angehenden Künstler ihre eigenen Ideen und einen persönlichen Ausdruckswillen haben, auch ihre akademische Vor- und Ausbildung ist sehr unterschiedlich. Neben der von Norbert Prangenberg geleiteten Glas-und Keramikklasse kommen die Studenten aus verschiedensten Fachbereichen, sei es die Freie Malerei und Bildhauerei, die Goldschmiedekunst, dem Bühnenbild mit Kostüm oder der Kunsterziehung für das Lehramt an Gymnasien oder in der Innenarchitektur. Trotzdem haben sie eins gemeinsam: die Faszination am Glas und den Willen, es neu zu gestalten und zu beherrschen.

An ihrer Wirkungsstätte, der Studien- und Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik der Kunstakademie, sind sie nicht allein gelassen. Der Leiter der Werkstatt, Thierry Boissel, steht ihnen beratend und unterstützend zur Seite. Mit Boissel haben sie einen Lehrer, der sich seit langem in der Glaskunst etabliert hat und vor allem die Technik des Fusings – ob in der freien oder in der angewandten Arbeit – in der Glasszene salonfähig gemacht und ihr zur Anerkennung verholfen hat. Unbefangen, provokativ, poetisch oder völlig abstrakt gingen die Studenten ans Werk. Mal mit dem Hohlglas, mal mit dem Flachglas, zum Teil als Einzelarbeit oder im Kontext mit verwandten Objekten drücken sie ihre Ideen aus. Installationen greifen in den Raum, reagieren auf ihn oder sind exakt für einen gezielten Ort des Museums konzipiert.

Dass die Studenten technisch versiert sind, mag aus der Sicht der angewandten und freien Kunst marginal sein. Die im Fusing geschmolzene Scheibe, das Objekt aus Pâte de Verre, die fröhlich farbige Glaskugel oder das in seiner Oberfläche bemalte, sandgestrahlte Glas haptisch zu erleben, ist verlockend – nach wie vor für die Studenten, vor allem aber für den Betrachter. Seien Sie also gespannt auf eine Ausstellung voller Esprit, Humor und Tiefsinn und lassen Sie sich ein auf einen Dialog mit dem Glas und seinem geistigen Verfasser.

 

Fotos von links:

Tanja Fender, Embryo, 2006 – Foto AHH

Masayo Oda, An einem Frühlingsabend, 2006 – Foto AHH

Sabine Rosenberger, Stealth B2, 2005 – Foto Sabine Rosenberger

Lisbeth M. Ojeda dÉlia, Wert des Lebens, 2005 – Foto AHH

Sommerausstellung

Der Titel kündigt es an: Das Glasmuseum hat Geburtstag. Zehn Jahre ist es her, dass die Sammlerin und Stifterin Lilly Ernsting zusammen mit ihrem Mann den neuen Museumsbau eröffnete und ihrer Sammlung dieser eigens auf die Präsentation von Glas ausgerichteten Stätte übergab. Das Konzept, vier Ausstellungen im Jahr zu zeigen, zwei aus der eigenen Sammlung und zwei mit eingeladenen Künstlern, fasste sofort Fuß und gilt bis heute.

Unterstützung bei allen Ausstellungsprojekten fand die Sammlerin bei den Niederländern Mieke Groot und Bart Guldemond. Mieke Groot, selbst freischaffend im Glas tätig, konzipierte und realisierte die Ausstellungen, stellte den Kontakt zu den Künstlern her und war profunde Ratgeberin bei der Erweiterung der Sammlung. Bart Guldemond stand Pate bei der Realisierung vor Ort und gestaltete zusammen mit Mieke Groot das „Gesicht“ der jeweiligen Ausstellung.

An seinem 10jährigen Geburtstag zeigt das Museum in einer umfassenden Retrospektive Glasobjekte all jener Künstler, die sich an 20 Ausstellungen in diesem Zeitraum beteiligten und aus deren Werken für die Glassammlung angekauft wurde. Meist waren es zwei oder drei Künstler, die sich an einer Ausstellung beteiligten, selten wurden Einzelausstellungen initiiert. Seit 2003 lädt das Museum auch Schüler und Studenten von Glasschulen oder Kunstakademien ein, so etwa die Absolventen der Gerrit Rietveld Akademie aus Amsterdam, die Schüler tschechischer Glasfachschulen oder die Studenten der Glasklasse der Akademie für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle. Nahezu von allen Gastausstellern sind Werke in die Museumssammlung aufgenommen worden, die ein repräsentatives Konvolut vielfältiger Glasarbeiten ergeben und die Sammlung konzeptionell wie technisch beachtlich erweitern.

Viele der Arbeiten zeigen, dass der Künstler seine Ideen aus Themen und persönlichen Anliegen entwickelt. Hier ist das eingesetzte Glas bevorzugtes Medium, um die inhaltliche Intention zu bekräftigen. Die Werke von Lieve van Stappen, Sibylle Peretti, Caroline Prisse, Jens Gussek, Louise Rice oder Gareth Noel Williams sind Beispiele dieser Arbeitsweise. Glasexponate, die aus dem formalästhetischen Ansatz entstanden sind und das Glas zuweilen nicht eindeutig erkennen lassen, machen ebenso einen wichtigen Teil der Sammlung aus. Mieke Groots Gefäße und Objekte stehen hier stellvertretend. Einen gewichtigen Anteil an der Sammlung haben die Glasobjekte, welche die charakteristischen Merkmale des Glases, seine Transparenz und seine Fähigkeit auf Licht zu reagieren, unverkennbar herausstellen. Hier sind vor allem die tschechischen Künstler zu nennen, die sich konsequent diesen Eigenschaften verschreiben. Auch hinsichtlich der angewandten Techniken spannt die Ausstellung einen breiten Bogen. Die traditionelle Lampenarbeit und das geblasene Glas spielen nach wie vor eine tragende Rolle in der Sammlung, doch ergänzen die Technik der Formschmelze, das heiß verformte Glas und auch das Flachglas das Spektrum. Spannend und originell sind die Glasobjekte vor allem durch die unterschiedliche Bearbeitung ihrer Oberfläche, sei es durch das Bemalen mit Schmelz- oder Kaltfarben, durch das Ätzen, Gravieren, Schleifen, Polieren oder Sandstrahlen. Glaskörper in Kombination mit Metall, Holz oder Textilien bis hin zu Leder – die sog. Mixed Media – haben in den letzten zehn Jahren beachtlichen Zugang zur Sammlung gefunden und sich dort etabliert. Eine solche Rückschau markiert die eigene Epoche des Museums und ist zugleich Anlass zum Fazit seiner Leistung, auch für die Menschen, die dort 10 Jahre miteinander arbeiteten, diskutierten und ihre Freude am Glas teilten. Für Mieke Groot und Bart Guldemond ist diese Ausstellung Zäsur und zugleich das Ende der Zusammenarbeit mit der Stiftung und dem Glasmuseum. Für Ihr Engagement, ihre Sachkompetenz und ihre Ideen danken die Stifter Kurt und Lilly Ernsting im Namen der gesamten Stiftung sehr herzlich und wünschen beiden eine gute Zukunft.

In seinem 10. Jahr hat das Glasmuseum mit einem eigenen Glasdepot im benachbarten Höltingshof Zuwachs bekommen. Seit April kann der Besucher dort die Glasobjekte aus 30jähriger Sammlungstätigkeit sehen. An die Zukunft der Sammlung ist gedacht, denn ausreichend Platz wartet auf neue Glasobjekte.

 

Fotos von links:

Richard Meitner, Gift, 2002 – Foto Ron Zijlstra

Jens Gussek, Bubble Car I, 2000 – Foto Ron Zijlstra

Louise Rice, Cage, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Mieke Groot, o.T., 2003 – Foto Ron Zijlstra

„Männerhaut“

Männerhaut !? Der Slogan einer Zeitschrift „Auch Männerhaut ist ganz natürlich“ brachte vor gut 15 Jahren eine fünfköpfige Männergruppe im bayrischen Frauenau auf die Idee, sich Männerhaut zu nennen. Zusammen kamen sie, weil sie den Wunsch hatten, sich in einer freien Werkgemeinschaft über das künstlerische Schaffen und die handwerkliche Ausführung auszutauschen.

Inzwischen ist Männerhaut nach vielen gemeinsamen Ausstellungen und Kunstprojekten auf sechs Mitglieder angewachsen und aus der Glaskunst-Szene nicht mehr wegzudenken; in Frauenau und Zwiesel ist die Künstlergruppe eine Institution geworden. Erstmalig zu Gast ist Männerhaut im Glasmuseum Alter Hof Herding. Freuen wir uns auf die eigenwilligen, poetischen, spielerischen und ästhetischen Kreationen aus Glas von „Atschi“ Achatz, Ronald Fischer, Michael Gölker, G. Jo Hruschka, Stefan Stangl und Alexander Wallner.

 

Fotos von links:

Ronald Fischer, Ein Stück Unendlichkeit, 2006 – Foto Ronald Fischer

Josef Achatz, Gipfelstürmer, 2006 – Foto AHH

Michael, Gölker, Ratte, 2003 – Foto AHH

Stefan Stangl, Vier seltsame Herren, 2006 – Foto Horst Kolberg

Alexander Wallner, o.T., 2004 – Foto AHH

 

Neuerwerbungen 2006

 Das Jahr 2006 fing gut an – gleich zwei Volltreffer sollten der Ernsting Stiftung gelingen: Eine Reise ins Elsass führte zunächst zu Udo Zembok, einem deutschen Glaskünstler, der mit seinen Fusingobjekten bereits internationalen Ruf erreicht hat. Die Leuchtkraft seiner mehrschichtigen, farbigen Skulpturen ziehen den Betrachter geradezu magnetisch an. Dass die Stiftung mit dem Erwerb eines „Zembok“ genau richtig lag, beweist auch die Auszeichnung des Künstlers mit dem Coburger Glaspreis im April 2006.

Auf der Rückreise besuchte man in Baden-Baden die erste Ausstellung von Josepha Gasch-Muche, die, von Haus aus Malerin, in der Glasszene als Newcomerin zählt. Die Stiftung erwarb dort eines ihrer faszinierenden Glasbilder aus hauchdünnen, reflektierenden Displayglassplittern – und ahnte noch nicht, dass damit ein Werk der künftigen Hauptpreisträgerin des Coburger Glaspreises 2006 in die Ernsting Sammlung eingegangen ist.

Neben den Arbeiten dieser beiden Preisträger hat sich die Sammlung des Glasmuseums auch im letzten Jahr wieder um viele interessante und wichtige Werke erweitert. Der Besucher trifft auf vertraute Namen wie Hanneke Fokkelmann oder Richard Price, lernt aber auch Arbeiten noch unbekannter Künstler kennen: z.B. Dafna Kaffeman aus Israel, deren fragile, bunte Objekte einen ganz speziellen „stacheligen“ Charme besitzen, oder Blanka Adensamova, die ihren Glasskulpturen eine leuchtende Transparenz verleiht.

Die Stiftung freut sich, den Gästen des Glasmuseums mit der Ausstellung Neuerwerbungen 2006 eine abwechslungsreiche, spannende Sicht auf die verschiedenen Strömungen der aktuellen Glaskunst präsentieren zu können.

 

Fotos von links:

Josepha Gasche-Muche, 10.2.03., 2003 – Foto AHH

Blanka Adensamova,The head of Hathor, 2005 – Foto Horst Kolberg

Dafna Kaffeman, Tactile stimulation, 2005 – Foto Horst Kolberg

Hanneke Fokkelmann, o.T., 2006 – Foto Horst Kolberg

„Raum 14“

„Raum 14“? – Ja, es gibt ihn tatsächlich!

Er gehört zur Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, ist Werkstatt und Kommunikationsraum zugleich. Hier entstehen außergewöhnliche Objekte aus Glas – experimentell, konzeptuell, ästhetisch. Im Raum 14 kommen Studenten aus ganz unterschiedlichen künstlerischen Fachrichtungen am Glasofen zusammen: von der Glasgestaltung über Keramik bis hin zu Malerei, Grafik und Bildhauerei.

Stuttgart gehört zu den wenigen Kunstakademien, an der künstlerischer Umgang mit dem Werkstoff Glas überhaupt gelehrt wird. Das Vermitteln technischer Grundfertigkeiten, freies Arbeiten und experimenteller Umgang mit dem Glas stehen im Kontext zur eigenen künstlerischen Entwicklung der Studierenden. Wie spannungsreich und inspirierend sich diese Freiheit auf die Arbeit der Studenten auswirkt, spiegeln die einzigartigen Glasobjekte wider, die in Zusammenarbeit mit der Werkstatt für Glas, insbesondere am Schmelzofen, entstanden sind.Ob Installation, Skulptur, frei- und formgeblasene Objekte oder Flachglas-Gestaltungen – alle Kunstwerke versprühen eine ungewöhnliche Frische und Offenheit dem Medium Glas gegenüber.

Das Glasmuseum Alter Hof Herding freut sich deshalb sehr, Ihnen in der neuen Ausstellung „Raum 14“ Glasarbeiten von 13 Studenten und Absolventen der Stuttgarter Akademie präsentieren zu können.Begleitet werden die Studierenden von Jörg F. Zimmermann, der die Werkstatt für heißes Glas und plastisches Verformen leitet, und von Claudia Heinzler, Leiterin der Werkstatt für Glasmalerei und Glasbearbeitung.

Mit dieser Sonderausstellung setzt das Glasmuseum Alter Hof Herding seine Tradition fort, Glasarbeiten von Studierenden der Kunstakademien und Glasfachschulen zu zeigen und junge Talente zu fördern.

 

Fotos von links:

Dilini Keethapongalan, Kopflastig 4, 2005 – Foto Horst Kolberg

Anja Römpp, Zweige, 2004 – Foto Anja Römpp

Gregor Linz, Konzentration, 2006 – Foto Horst Kolberg

Katharina Weidauer, Velena, 2006 – Foto Katharina Weidauer

Patula Berm

Aufregende Kostüme, Bustiers und Perücken entwirft die niederländische Künstlerin Patula Berm. Tragen kann man ihre Kreationen allerdings nicht – sie sind aus Glas!

Ein faszinierendes Fluidum umgibt ihre Kleider, das den Betrachter verzaubert und ihn auf eine Reise voller Fantasie, Esprit und Poesie schickt. Wenn Patula Berm arbeitet, folgt sie ihrer Intuition und ihren Assoziationen. Bereits in ihrer Vorstellung lebt jede Skulptur von einer eigenen, besonderen Atmosphäre, der sie beim Gestalten Realität gibt.

Inspiration für ihre Arbeit findet die Künstlerin überall: die Tiefe des Ozeans, das Wasser, das sich wie eine zweite Haut um den Körper legt, die Nostalgie eines alten Filmes oder auch nur ein besonderer, magischer Augenblick. Bei der Gestaltung ihrer gläsernen Kleider reizen sie dagegen oft ganz alltägliche Dinge: Spiegel, Münzen, Besteck, Bürsten, Haarsträhnen, roter Pfeffer oder Muscheln. Diese unterschiedlichen Materialien verbindet sie mit ihren Glaskreationen und schenkt ihnen so eine völlig neue Bedeutung. Patula Berm entwickelt ihre gläsernen Kleider seit 1995 im Amsterdamer Glasstudio Van Tetterode.

Das Glasmuseum Alter Hof Herding freut sich sehr, nach langer Zeit wieder einmal das Werk von nur einer Künstlerin zu präsentieren. Lassen Sie sich von den außergewöhnlichen Exponaten überraschen!

 

Fotos von links:

Patula Berm, Knight in shiny armour, 2007 – Foto AHH

Patula Berm, Mirrow Image, 2002 – Foto Richard Willebrands

Patula Berm, Memories of Lavander, 2007 – Foto Richard Willebrands

Patula Berm, Flying fish, 2007 – Foto Richard Willebrands

Neuerwerbungen 2007

 Sammeln, Ausstellen, Vermitteln sind die zentralen Aufgaben eines Museums. Um diesen Auftrag zu erfüllen, spürt die Stiftung alljährlich Tendenzen in der aktuellen Kunst auf. Trifft sie auf für die Sammlung wichtige Werke, so erwirbt sie diese. Dank dieses konsequenten und kontinuierlichen Sammelns erweitert sie nicht nur den Museumsbestand, sie erreicht auch, dass die Glassammlung zu einer der bedeutenden in Europa geworden ist. Gleich zu Beginn des neuen Jahres präsentiert die Stiftung das Ergebnis ihres Sammelns mit der inzwischen zur Tradition gewordenen Ausstellung „Neuerwerbungen“.

Wichtige Impulse für die Sammlung gaben im vergangenen Jahr u.a. Reisen zu bedeutenden Glaszentren Europas wie etwa Leerdam, Straßburg und Ebeltoft (Dänemark). In Leerdam konnte die Stiftung zwei Werke von Menno Jonker erwerben. Der Niederländer wurde 2001 vom Corning Museum of Glass (USA) zu den besten Glaskünstlern der Welt nominiert. Seine Arbeiten werden vor allem wegen ihrer technischen Perfektion, der einzigartigen Formensprache und des innovativen Umgangs mit dem Material Glas geschätzt.

Zugleich hat sich die Sammlung um viele interessante Exponate aus den letzten Sonderausstellungen „Raum 14″ und „Made in NRW“ erweitert. Dazu gehören Werke von jungen, experimentell arbeitenden Glaskünstlern der Kunstakademie Stuttgart und Arbeiten von etablierten Künstlern, die für ihren besonderen Umgang mit dem Glas den Staatspreis Nordrhein-Westfalen erhalten haben. Die Stiftung ist stolz, dass sie im Rahmen dieser Ausstellung die Skulptur „In-Einander“, für die Klaus U. Hilsbecher 2007 mit dem Staatspreis prämiert wurde, in die Sammlung aufnehmen konnte.

 

Fotos von links:

Carmelo López, Homenage an Goya, 2005 – Foto Ralf Bauer

Menno Jonker, Odi et Amo, 2005.- Foto Horst Kolberg

Hartmann Greb, Neptun verlässt das Meer, 2007 – Foto Horst Kolberg

Mieke Pontier, Clouds II, 2006 – Foto Aad Doorduin

 

„Experiment Glas“

Jedes Kunstwerk holt sich sein eigenes Material“ – so schlicht beantwortete eine Studentin des Instituts für künstlerische Keramik und Glas die Frage nach dem Stellenwert des Glases in der Bildenden Kunst. Das Institut für künstlerische Keramik und Glas, eine Abteilung der Fachhochschule Koblenz, ist noch recht jung und hat seinen Sitz in Höhr-Grenzhausen.

Beim Besuch des in Rheinland-Pfalz einzigen Instituts für künstlerisches Glas wird deutlich, dass das Arbeiten der Studenten vom Konzept und vor allem vom Medium Glas bestimmt wird. Jeder experimentiert an seiner eigenen Idee und deren Realisierung mit dem adäquaten Werkstoff. Und daran werden die angehenden Künstler von ihren Lehrern gemessen, denn die Sprache des Materials ist die Sprache des Kunstwerkes und seiner inhaltlichen Intention. Die Verwendung des Glases im kreativen Prozess ist dabei ebenso bedeutend wie seine Verbindung mit glasfremden Materialien. Die Studierenden der Glasklasse zeigen in ihren Arbeiten Ergebnisse und Zwischenergebnisse auf ihrem persönlichen Weg zur Bildenden Kunst.

Dabei entstehen außergewöhnliche, spannungsreiche Kunstwerke, von Installationen über Skulpturen bis hin zu geblasenen und gegossenen Glasobjekten. Sie alle spiegeln die Freiheit und Offenheit gegenüber dem Glas als künstlerischem Medium wider.

Die Stiftung freut sich sehr, Ihnen in der neuen Ausstellung „Experiment Glas“ Arbeiten von 11 Studenten und Absolventen des Instituts für Künstlerische Keramik und Glas präsentieren zu können. Begleitet werden die jungen Künstler von der Institutsleiterin Prof. Ingrid Conrad-Lindig, vom Leiter der Werkstatt Glas Thomas Kruck und vom Lehrbeauftragten Jean Paul Raymond. Mit dieser Sonderausstellung folgt die Stiftung abermals ihrer Tradition, Glasarbeiten von Studierenden der Glasfachschulen und Kunstakademien zu zeigen.

Fotos von links:

Petra Sindelar, Experiment II, 2008 – Foto Horst Kolberg

Judith Röder, Faltenwürfe, 2007 – Foto Horst Kolberg

Wladimir Körting, Erinnerung 1, 2006 – Foto AHH

Stanislaw Jan Borowski, Torsi II, 2007 – Foto AHH

„Wasser und Eis“

 Wasser und Eis – unter diesem Titel präsentiert das Glasmuseum Alter Hof Herding in einer neuen Ausstellung Arbeiten der beiden Künstler Michael Behrens und Peter Bremers. So unterschiedlich sich die beiden Künstler auch mit dem Glas auseinandersetzen, ihre Werke weisen viele Berührungspunkte auf. Die Naturphänomene Wasser und Eis, optisch dem Glas sehr nahe, sind für beide unerschöpfliche Quellen der Inspiration.

Reisen in die Antarktis haben den Niederländer Peter Bremers nachhaltig beeinflusst. Seine raumgreifenden, monumentalen Skulpturen spiegeln die überwältigende Aura der polaren Eisformationen wider. Erstarrt in abstrakte Formen wie das Eis, scheinen sie auf eine fast kontemplative Weise in sich selbst zu ruhen.Unvorhersehbare Lichtschwankungen geben den oft monochromen Arbeiten eine geheimnisvolle Tiefe, ein verborgenes Leuchten – man glaubt, in das Innere eines Gletschers zu schauen.

Tauchgänge in die Unterwasserwelt vor den Küsten Indonesiens inspirierten Michael Behrens. Mit seinen Objekten hat der junge Düsseldorfer Künstler neue Akzente in der Glaskunst gesetzt: Sie wirken amorph, liquid, scheinen wie Wasser immer in einer sanften, schwer fassbaren Bewegung zu schwingen. Die Illusion wird noch verstärkt, wenn sich die Farben im Inneren des Objektes vermischen. Der Betrachter möchte in das Glas greifen und eine Struktur im diffusen Dickicht erfassen. Michael Behrens und Peter Bremers beherrschen die Techniken der Glasgestaltung meisterlich. Ihre Eis- und Wasserlandschaften beeindrucken mit einer einzigartigen Ästhetik, Dimension und Tiefe.

Die Stiftung freut sich sehr, mit „Wasser und Eis“ eine Doppelausstellung in deutsch-niederländischer Kooperation zu präsentieren.

 

Fotos von links:

Michael Behrens, Underwater-World 91-2008 – Foto Paul Niessen

Michael Behrens, Underwater-World 89-2008 – Foto Paul Niessen

Peter Bremers, I&P 07-114, 2007 – Foto Paul Niessen

Peter Bremers, AS 02-19, 2002 – Foto Paul Niessen

Franz Xaver Höller

Der Künstler Franz Xaver Höller (*1950 im bayerischen Leopoldsdorf) gehört zu den Meistern seines Genres. Verwurzelt in einer langen Glastradition, spielt die Gefäßform nach wie vor die entscheidende Rolle in seiner Arbeit. Auch wenn ihn die freie Plastik immer wieder lockt, in seinem Atelier entstehen vor allem Becher, Schalen und Deckelgefäße – allerdings nicht für den funktionalen Gebrauch.

Und das macht seine Werke so spannend. Ihre Formen entlehnt er zwar dem vertrauten traditionellen Gebrauchsglas, ihren Sinn aber interpretiert er neu. Die Werke gehören sich selbst, sie sind autonom geworden. So schwingt in seinen Arbeiten etwas Unaussprechbares, Metaphysisches, das über das Materielle hinausweist. Vision und Inspiration entnimmt Höller Phänomenen der Natur. Rhythmus und Polarität, die ewig wiederkehrenden und gleichzeitig doch niemals gleichen Erscheinungsformen des Lebens sind Leitmotive: Tag und Nacht, Leben und Tod, und immer wieder Paare, die, wie zwei Pole sich anziehen oder abstoßen, das Bindende und Trennende in einem symbolisieren.

Die künstlerische Darstellung dieser Zusammenhänge gelingt Franz Xaver Höller durch seine disziplinierte, gleichzeitig kraftvolle und eigenwillige Formensprache. Das magische Wechselspiel zwischen Licht und Glas ist besonders entscheidend. Gerade der Oberflächenbehandlung, wie Schliff und Gravur, widmet Höller viel Aufmerksamkeit, da sie die Stimmung und Ausstrahlung des Stücks prägt. Dekoratives wird man allerdings nicht finden. Durch Gestaltung der Oberfläche überwindet er Oberflächlichkeit und öffnet den Blick für die Tiefe.

Franz Xaver Höller ist ein professioneller Künstler par excellence. Er hat alle Stationen durchlaufen: Meister als Hohlglasschleifer, ausgebildeter Glasgestalter, Studium der Glasgestaltung und Bildhauerei an der Münchener Kunstakademie, freischaffender Künstler, Leiter von Workshops u.a. am Corning Glasmuseum in New York und an der australischen National University Canberra. Seit 1981 arbeitet er als Dozent an der Staatl. Glasfachschule Zwiesel.

Das Glasmuseum Alter Hof Herding ist sehr stolz, Ihnen mit dieser Ausstellung das Lebenswerk von Franz Xaver Höller vorstellen zu können.

Fotos von links:

Franz X. Höller, Deckelgefäß 260, 2007 – Foto Franz X. Höller

Franz X. Höller, Paar-VIII (234), 2003 – Foto Franz X. Höller

Franz X. Höller, Objekt (271), 2008 – Foto Horst Kolberg

Franz X. Höller, Deckelgefäß 239, 2003 – Foto Horst Kolberg