Gerrit Rietveld Academie Amsterdam

Im Februar dieses Jahres kündigte der Direktor der „Gerrit Rietveld Academie“ in Amsterdam aufgrund der bevorstehenden Kürzung finanzieller Mittel die Schließung der seit 34 Jahren existierenden Glasabteilung an. Selbst die zahlreichen nationalen und internationalen Reaktionen, mit denen eine tiefe Betroffenheit über diese Entscheidung zum Ausdruck gebracht wurde, konnten nicht verhindern, dass die Glasabteilung in dieser Form nicht weiter bestehen bleiben wird.

Sybren Valkema gründete 1969 „The Workgroup Glass“. Unter seinen Nachfolgern Richard Meitner und Mieke Groot entstand daraus 1981 eine Abteilung der „Gerrit Rietveld Academie“. Diese Glasabteilung besteht aus einer kleinen Gruppe von Studenten aus aller Welt. Im Gegensatz zu vielen anderen, technisch orientierten Glasausbildungen liegt ein besonderes Merkmal in der Entwicklung einer persönlichen, ausdrucksstarken Formensprache. Dieser Ansatz hat sich als sehr erfolgreich erwiesen und die Ausbildung genießt weltweit ein hohes Ansehen.

Das Glasmuseum hat bereits eine langjährige Beziehung zur „Gerrit Rietveld Academie“. Bereits in den frühen 80er Jahren entdeckte Lilly Ernsting in der Galerie Arti-choque im niederländischen Velp Arbeiten von Absolventen dieser Glasabteilung. Inzwischen ist die Sammlung Ernsting um viele Arbeiten von Künstlern, die dort studiert haben, bereichert worden. In seinen Sonderausstellungen hat das Glasmuseum im Laufe der Jahre mehrere Rietveld-Absolventen vorgestellt. Angesichts der jüngsten Entwicklungen hat sich darum das Glasmuseum entschlossen – in Anerkennung des besonderen Charakters dieser einmaligen kleinen Abteilung – die Arbeiten der Absolventen des letzten Studienganges in dieser Sonderausstellung zu zeigen. Katrin Maurer (Österreich), Louise Rice (Ireland) und Ellen Urselmann (Niederlande), Schüler von Elisabeth Swinburne und Vincent van Ginneke, repräsentieren mit ihren Arbeiten somit auch das Ende einer Ära.

 

Fotos von links:

Louise Rice, Safe as Houses 1, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Ellen Urselmann, Dome, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Katrin Maurer, Ancient Liquid Connection II, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Louise Rice, Cage, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Neuerwerbungen 2003

Das Glasmuseum Alter Hof Herding zeigt in dieser Ausstellung Glasobjekte, die im Laufe des Jahres 2003 angekauft wurden. Ein wichtiges Kriterium ist dabei, die Sammlung durch solche Kunstwerke zu erweitern, die Strömungen unserer Zeit spiegeln und qualitativ den Ansprüchen des Museums genügen. Dazu ist es wichtig, in ständigem Kontakt mit der Glasszene zu bleiben, um die Entwicklung einzelner Künstler zu verfolgen und neue Richtungen wahrzunehmen.

Besuche von Galerien, Kunstmessen, der direkte Kontakt zu Glaskünstlern und die Lektüre von Glasfachzeitschriften helfen dabei, auf dem Laufenden zu sein. Im Jahr 2003 waren es vor allem Besuche von Fachschulen in der Tschechischen Republik und der über lange Zeit gewachsene enge Kontakt zur Gerrit Rieveld Academie in Amsterdam, die in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich waren und aus denen die Themen der beiden Sonderausstellungen entstanden sind.

In der ersten Sonderausstellung gaben Schüler und Dozenten von drei tschechischen Glasfachschulen mit einer großen Auswahl von Arbeiten einen interessanten Eindruck über die technischen Fertigkeiten tschechischer Glaskünstler. Eine ganz eigene, persönliche und ausdrucksstarke Formensprache zu finden, ist den drei Absolventen der Gerrit Rietveld Academie eindrucksvoll gelungen, die im Rahmen der zweiten Sonderausstellung im Herbst 2003 eingeladen waren, ihre Objekte zu präsentieren. Bei den Neuerwerbungen des Jahres 2003 sind daher natürlich Ankäufe aus diesen beiden Ausstellungen stark vertreten.

Daneben gibt es aber auch sehr reizvolle neue Objekte von bereits bekannten oder auch erstmals in der Sammlung vertretenen Künstlern zu sehen. So wurden unter anderem Arbeiten von Bruno Romanelli, Hartmann Greb, Katja Prins und Jean-Pierre Umbdenstock erworben.

 

Fotos von links:

Bruno Romanelli, Gesichtsreliquie, 2002 – Foto Ron Zijlstra

Patrick Seegers, Monkey Bowl Nr. 2(5), 2003 – Foto Ron Zijlstra

Jean-Pierre Umbdenstock, Fruit, 2002 – Foto Ron Zijlstra

Harmann Greb, Blau, 2002 – Foto Ron Zijlstra

Glas im Großformat

Glas im Großformat wird in dieser Sonderausstellung des Glasmuseums gezeigt. Sechs europäische Künstler sind mit Skulpturen vertreten, die auf Grund ihrer Größe mehr Raum beanspruchen, als wir es bei Glasobjekten üblicherweise gewohnt sind. Diese Skulpturen sind raumfüllend und ermöglichen zum Teil, ein Kunstwerk von allen Seiten zu betrachten und zu „begreifen“. Die starke Struktur des Materials Glas mit seinen vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten, oft kombiniert mit anderen Materialien, verschaffen einer Skulptur besondere Ausdrucksstärke. Dabei ist es aufschlussreich zu sehen, mit welchen grundsätzlichen Fragen und Themen sich der einzelne Künstler auseinandersetzt und vielleicht auch den Betrachter anregt, es ihm gleich zu tun.

Lisa Gherardi hat sich in den letzten Jahren hauptsächlich mit dem Thema Tod als einem der zwei Pole, zwischen denen unser Leben verläuft, beschäftigt. Ihre neueren Arbeiten strahlen eine große Vitalität, gleichzeitig aber auch eine gewisse Ironie und Mehrdeutigkeit aus. Die Objekte sind dem Menschen und seinem Körper zugewandt und zeigen dabei die weniger sichtbaren Körperteile, nämlich Knochen in Verbindung mit weichen Materialien, wie z.B. Latexschläuchen oder Handknochen aus Glas, die den dazugehörigen Röntgenbildern gegenübergestellt werden.

Silvia Levenson beschäftigt sich mit dem geschönten Bild, das die Medien über die Kindheit vermitteln und das wir uns auch selbst oft davon machen. Sie will mit ihren Arbeiten die Unmöglichkeit verdeutlichen, selbst in der eigenen Privatsphäre frei von Angst zu sein, angesichts dessen, was in der Welt geschieht. So berühren die verlassen vor einer Kinderbank stehenden Schuhe auch tiefe Einsamkeitsgefühle.

Esther Jiskoots Skulpturen bestehen aus wunderbar aufgefädelten Perlen, die einen Kontrast bilden zu weiteren Materialien wie Keramik und Kunststoff. Die Künstlerin möchte Kunstwerke schaffen, die sich eher an tiefen Gefühlen als an äußeren Dingen orientieren.

Die Hofporträts alter Meister, die Maria Klonowska in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellt, sind als Posen für die Ewigkeit gedacht. Beiwerk, wie Schmuck, Schuhe und Hunde dienen üblicherweise auf solchen Porträts dazu, den gesellschaftlichen Status der Porträtierten zu demonstrieren. Sie werden hier von der Künstlerin aus dem Bild „herausgehoben“ und als Skulptur in den Vordergrund gerückt. Durch das Material Glas erhalten sie Eigenständigkeit und Präsenz.

Das Haus ist ein Ursymbol für das Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit. Bei den Objekten von Stephanie Rhode kann der Betrachter Siedlungen von Häusern aus Glas, Stahl und Filz umkreisen und erfährt je nach Standpunkt neue Licht- und Schattenwerte, die durch die strenge Anordnung der Hausgruppen und die unterschiedlichen Materialien entstehen.

Um Eindrücke aus unterschiedlichen Blickwinkeln geht es auch bei den Zeichnungen von Maurizio Donzelli. Je nach Standort des Betrachters geraten seine Figuren in Bewegung und konstruieren eine neue Szene. Maurizio Donzelli ist Grafiker und experimentierte erstmals bei einem Kulturprojekt der Stadt Bozen mit dem Material Glas und seinen vielfältigen Möglichkeiten, die ihn weiterhin inspirieren.

 

Fotos von links:

Marta Klonowska, Les Jeunes (nach de Goya), 2003 – Foto AHH

Esther Jiskoot, Bluesack, 2001 – Foto Ron Zijlstra

Lisa Gherardi, o.T., 2003 – Foto Ron Zijlstra

Silvia Levenson, Little bad girl, 1999 – Foto Ron Zijlstra

Sommerausstellung

Die Sommerausstellung des Glasmuseums hat traditionell einen thematischen Schwerpunkt.

Losgelöst von den zeitlichen Akzenten früherer Jahre steht in diesem Jahr das Thema „Farben“ im Vordergrund. Es werden Rauminseln mit Glas in den verschiedenen Grundfarben geschaffen.

Ob es sich um das intensive Grün und Blau der Vasen von Anna Matoušková oder das leuchtende Rot der Schale von Toots Zynsky handelt, die Farben des Sommers wird der Betrachter in den Glasobjekten dieser Ausstellung wiederfinden. Und so ganz nebenbei entsteht auch ein Eindruck des kreativen Schaffens mit Glas seit Entstehung der Sammlung Ernsting Anfang der 70er Jahre.

 

Fotos von links:

Toots Zynsky, Birds of paradise, 1987 – Foto Ron Zijlstra

Mieke Groot, Yellow, 1996 – Foto Ron Zijlstra

Marion A. Simon, Encanto, 1997 – Foto Ron Zijlstra

Anna Matouskova, o.T., 2001 – Foto Ron Zijlstra

Burg Giebichenstein – Glasklasse

„Burg Giebichenstein“, die Hochschule für Kunst und Design in Halle an der Saale, war in den 20er Jahren neben dem Bauhaus die einflussreichste deutsche Kunstschule. Trotz einer wechselvollen Geschichte in den folgenden Jahrzehnten gelang es ihr, sich noch zu DDR-Zeiten zu einer anerkannten Hochschule für industrielle Formgestaltung und Design zu entwickeln.

Die Glasklasse der Kunsthochschule wurde Anfang der 70er Jahre gegründet mit dem Ziel einer vorwiegend kunsthandwerklichen Ausbildung für die architekturbezogene Glasgestaltung. Anfang der 90er Jahre wurde diese Strategie grundsätzlich reformiert und kreist heute primär um ein freies künstlerisches Verständnis von Idee, Konzept und individuellem Zugriff. Die Glasklasse versteht sich als eine interdisziplinäre Klasse für die freie Kunstausbildung. Es besteht bei freier Wahl der Medien ein sehr gutes Angebot an Know-how, Werkstattausstattung und Workshops, um sich mit Glas und seiner Bearbeitung auseinander zu setzen. Diese Möglichkeit wird von der Mehrzahl der zur Zeit 30 Studierenden als Ergänzung und integrierter Bestandteil ihrer künstlerischen Arbeit intensiv genutzt.

Was bei dieser kreativen Auseinandersetzung unter anderem auch mit dem Material Glas entstanden ist, zeigen in dieser Ausstellung Studenten und Dozenten der Glasklasse mit ihren Objekten.

 

Fotos von links:

Todor Goranov, o.T., 2004 – Foto Ron Zijlstra

Jens Gussek, Schiff mit Jungfrauen, 2004 – Foto Ron Zijlstra

Mathias Eckartt, Hund, 2004 – Foto Ron Zijlstra

Jens Pfeifer, Guns, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Neuerwerbungen 2004


Was tut sich im Bereich Glas? Das Glasmuseum versucht jeweils mit der ersten Ausstellung des Jahres auf diese Frage eine Antwort zu finden. Mit der Präsentation der Neuankäufe des Jahres 2004 entsteht ein Überblick über unserer Meinung nach Neues und Vielversprechendes oder Strömungen, die sich weiter entwickelt haben.

Ein Teil der Neuerwerbungen resultiert aus den Sonderausstellungen, zu denen das Glasmuseum zweimal im Jahr Künstler oder Schulen einlädt. So werden regelmäßige Besucher des Museums die aus Glasscherben gefertigten Hunde von Martha Klonowska oder die sich spiegelnden Glasbilder von Maurizio Donzelli aus der ersten Sonderausstellung des Jahres 2004 wiederfinden; zwei Künstler, die mit ihren Arbeiten nun zum ersten Mal in der Sammlung vertreten sind. Auch aus der sehr lebendigen Ausstellung im Herbst 2004 mit Studenten und Dozenten der Glasklasse der Hochschule für Kunst und Design, „Burg Giebichenstein“ in Halle an der Saale sind zahlreiche angekaufte Werke zu sehen.

Im Laufe eines Jahres werden natürlich auch bei Besuchen von Galerien und Künstlern Objekte entdeckt, die nun zum ersten Male ausgestellt sind. Der Besucher darf gespannt sein auf die zierlichen Figuren aus Glas, Draht und Pappmaché von Gerhard Ribka, den bulligen Boxerkopf von Václav Machac oder den mit Pharmazieflaschen gespickten Lederkörper von Gareth N. Williams, um nur einige Beispiele zu nennen.

Seit einiger Zeit achtet das Museum verstärkt darauf, die Sammlung durch Objekte aus dem Design-Bereich zu erweitern. Die bei einem Besuch in Venedig erworbenen Stücke von so namhaften Designfirmen wie Venini, Salviati, Barbini und Moretti runden den Blick auf die Neuankäufe des Jahres 2004 ab.

Fotos von links:

Venini, o.T., 2004 – Foto Ron Zijlstra

Gerhard Ribka, An Dich, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Gareth Noel Williams, Mehrfachimpfung, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Vaclav Machac, Kopf eines Boxers – Pedrosa, 1999 – Foto Ron Zijlstra

Zeitgenössisches Tschechisches Glas

Wie groß die Bedeutung des tschechischen Glases für die Entwicklung im Bereich Glas ist, kann man an der Vielzahl von Ausstellungen ersehen, die dem Thema in diesen Monaten gewidmet sind. Das Glasmuseum Alter Hof Herding richtet den Focus auf eine Auswahl großformatiger Objekte der letzten Jahre von so bedeutenden tschechischen Künstlern wie zum Beispiel Borek Šipek, Jan Fišar, Stanislav Libenský, Gizela Šabóková, Ivana Šrámková, und František Vizner. Werke, die erstmals im Glasmuseum zu sehen sind, und Exponate aus der eigenen Sammlung zeigen die große Bandbreite von Arbeiten mit einer Betonung der ästhetischen Formensprache bis hin zu figürlichen Skulpturen.

Zu Beginn der Studioglasbewegung in den 1960er Jahren wusste man in den USA und in Westeuropa nur wenig von den außerordentlichen Leistungen, die auf dem Gebiet des künstlerischen Umganges mit Glas in der Tschechoslowakei erbracht wurden. Aufgrund der großen Tradition des Glases in dem Land und seiner Förderung durch ein ungewöhnliches Schulsystem gibt es viele begabte Künstler, die seit den 1940er Jahren auf einem sehr hohen Niveau mit Glas arbeiten. Die Glasfachschulen in Nový Bor, Železný Brod und Kamenický Šenov vermitteln eine solide Basis technischer Fertigkeiten und schaffen gute Voraussetzungen für talentierte Studenten, anschließend an der Akademie für Angewandte Kunst in Prag oder Bratislava zu studieren.

Vor der politischen Wende arbeiteten tschechische Künstler in einem mehr oder weniger in sich geschlossenem System. In dieser isolierten Situation hatte Stanislav Libenskýs inspirierende Art zu Lehren einen enormen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung seiner Studenten der Prager Akademie und auf das Glas in der CSSR insgesamt. Diese Kombination aus relativer Abgeschlossenheit einerseits und Libenskýs Einfluss andererseits prägte einen eigenen, nationalen und hauptsächlich skulpturalen Stil im Glasguss. Gleichzeitig entwickelte sich an der Akademie für Angewandte Kunst in Bratislava durch Vaclav Cigler das geschliffene optische Glas in ganz besonderem Maße. Mit dieser Ausstellung würdigt das Museum die Bedeutung des tschechischen Glases und seine Leistungen in der künstlerischen und technischen Entwicklung.

 

Fotos von links:

Frantisek Vizner, o.T., 2004 – Foto Ron Zijlstra

Gizela Sabokova, o.T., 1996 – Foto Ron Zijlstra

Ivana Sramkova, Green Bird, 2004 – Foto Ron Zijlstra

Ales Vasicek, Roter Diskus, 2003 – Foto Ron Zijlstra

 

Sommerausstellung

„Immer an der Wand lang“ könnte der Besucher über diese Sommerausstellung denken, die vollständig aus dem Stiftungsbesitz bestückt wird. Denn das Glasmuseum wendet sich in diesem Sommer den Wandobjekten der Sammlung zu.

Eindrucksvoll ist die unterschiedliche Herangehensweise der  Künstler. Bei den Werken des Japaners Jassu Kaneko steht eher
eine asketische Form- und Materialsprache im Vordergrund.  Materialien wie Ton und Porzellan werden mit Glas gleichsam
übergossen und fixieren den Moment der Erstarrung.

Die ebenfalls mit anderen Materialien kombinierten Glasobjekte von Caroline Prisse laden zum Spiel mit unseren Sehgewohnheiten
ein. So wächst zum Beispiel aus einer Säge oder Gartenschere ein Glaszweig oder riesige Metallschlüssel sind mit Glaszähnen
bestückt. Die formgeblasenen, frei hängenden Gefäße von Katrin Maurer erfordern ein genaueres Hinsehen, will man die auf ihnen
eingravierten Texte entziffern. Das gilt auch für ausgestellte Glasbilder, die nicht der klassischen Hinterglasmalerei entsprechen.
Hier sind Zeichnungen zu sehen, die mittels davor gesetzter Glasstäbe eine überraschende Dreidimensionalität erfahren.

So erschließt sich manches nicht auf den ersten Blick, erst ein Nähertreten oder ein Standortwechsel führen zur Antwort.

 

Fotos von links:

Caroline Prisse, o.T., 2002 – Foto Ron Zijlstra

Jassu Kaneko, o.T., 1998 – Foto Ron Zijlstra

Ellen Urselmann, Trophy, 2002 – Foto Ron Zijlstra

Kathrin Maurer, Poetic explorsions, 2003 – Foto Ron Zijlstra

 

Lieve Van Stappen und Sibylle Peretti

Die Themen von Sibylle Peretti und Lieve Van Stappen haben im Wesentlichen einen gemeinsamen Kern. Sibylle Peretti, in Mülheim geboren, studierte in Köln Malerei und Bildhauerei. Heute lebt und arbeitet sie in New Orleans. Hin und wieder kehrt sie zum Arbeiten nach Deutschland zurück. Das zentrale Thema ihrer Arbeiten entwickelte Sibylle Peretti bei der Betrachtung von Kinderfotos aus alten medizinischen Fachbüchern. Angerührt und verfolgt von der Einsamkeit und dem Autismus dieser Kinder, will sie die Kleinen aus dem klinischen Kontext herauslösen und ihnen Würde verleihen. Die Darstellungen zeigen einen Verletzungs- und Heilungsprozess, wobei der Ausgang des letzteren ungewiss bleibt. „Die Kinder finden Trost im Schweigen und sprechen ihre eigene wortlose Sprache“. Dieser Gedanke wiederholt sich in den Zeichnungen von Sibylle Peretti, junge Menschen ähneln mythischen Wesen, scheinen mit Flora und Fauna verbunden und mit ihnen still zu kommunizieren.

Verwundungen, die aus emotionalen Erinnerungen an Krieg und Gewalt entstehen, sind das Thema von Lieve Van Stappen. Sie beschäftigt die Fragen über die Veränderung oder Verflüchtigung dieser Erfahrungen in der Rückschau mit zeitlicher Distanz und ihrer Auswirkung auf künftige Generationen und Gemeinschaften. Dabei geht es ihr nicht so sehr um die Notwendigkeit der ständigen Erinnerung. Sie will, dass diese Erfahrungen nicht in Vergessenheit geraten. Ihre Installationen wirken wie Laboratorien der Erinnerung. Transparente, lichtdurchlässige Objekte halten die flüchtigen Inhalte von Träumen und Albträumen, Trauer und Hoffnung, aber auch von persönlicher und allgemeiner Geschichte fest. In jüngster Zeit hat die Künstlerin bewegte Bilder und Klänge in ihre Arbeiten integriert. Lieve Van Stappen lebt und arbeitet in Belgien. Sie hat in Gent Malerei und Bildhauerei studiert.

 

Fotos von links:

Sibylle Peretti, Birdkiss, 2005 – Foto Ron Zijlstra

Sibylle Peretti, Wall of tears, 2005 – Foto Ron Zijlstra

Lieve van Stappen, Barbed wire, 2005 – Foto AHH

Lieve van Stappen, Beggars, 2005 – Foto Ron Zijlstra

 

Neuerwerbungen 2005

Der kontinuierliche Ausbau der Sammlung mit aktuellen Werken von höchster Qualität zählt zu den primären Aufgaben des Glasmuseums.
Traditionell wird zu Beginn eines jeden Jahres ein Überblick über die Neuankäufe des Vorjahres gegeben. Gerne werden für die Sammlung immer wieder neue Objekte von Künstlern erworben, deren Entwicklung seit Jahren aufmerksam verfolgt wird. Ein Beispiel dafür ist u.a. Gareth
Williams, der mit mehreren und dabei sehr unterschiedlichen Arbeiten erneut vertreten ist. Von Stanislav Libenský und Jaroslava Brychtová kommt ein eher untypisches Werk in die Sammlung: Es ist ein Detail aus einem Fensterentwurf für eine Kapelle.

 Bei den Neuerwerbungen lag ein besonderes Augenmerk auf Künstlern, die bislang noch nicht in der Sammlung vertreten sind wie z.B. Angela Jarman und John Burton aus Großbritannien, Deborah Cocks und Jessica Loughlin aus Australien sowie Klaus Hilsbecher und Uta Majmudar aus Deutschland.

 Aus unserer Sicht waren die beiden Sonderausstellungen des Jahres 2005 sehr inspirierend. Im Frühjahr richtete das Museum mit einer Ausstellung „Zeitgenössisches Tschechisches Glas“ den Fokus auf eine Auswahl großformatiger Werke der letzten Jahre. Arbeiten u.a. von Aleš Vašíček, Dana Zámečníková und Borek Šipek gehören jetzt zur Sammlung. Die Objekte aus der Herbstausstellung mit Lieve Van Stappen und Sibylle Peretti gewähren einen intensiven Zugang zu ihren Themen und einen tiefen Einblick in ihre künstlerische Arbeit und Entwicklung. Die aus diesen Sonderausstellungen erworbenen Objekte bilden einen wichtigen Bestandteil der Ausstellung „Neuerwerbungen 2005“.
Zur Eröffnung der Ausstellung erscheint ein Katalog mit den „Erwerbungen 2004-2005“.

 

Fotos von links:

Vittorio Verro, o.T., 2004 – Foto Ron Zijlstra

Gareth Noel Williams, Lustrous, 2004 – Foto AHH

Deborah Cocks, Orchids, 2004 – Foto Ron Zijlstra

Angela Jarman, Loop 2, 2004 – Foto Ron Zijlstra