2022

Fernweh

Fernweh

08.01.2022 - 24.04.2022

Fernweh – wohl jeder kennt diese starke Sehnsucht, das vertraute Hier und Jetzt zu verlassen und in die weite Welt aufzubrechen. Doch Reisen ist in Zeiten der Corona-Pandemie kompliziert geworden: Reisebeschränkungen, Einreiseregeln, Quarantänevorschriften! Wer in den vergangenen zwei Jahren dennoch verreiste, der wählte meist nähere Ziele. So ist das Fernweh geblieben!

Schon bevor sich der Begriff Fernweh überhaupt eingebürgert hat, kannten Menschen das schmerzliche Sehnen nach Ferne und Weite. Goethe zum Beispiel, der mit dem Wort noch nicht vertraut war, umschrieb es 1822 mit „Fluchtgefühl“, „Sehnsucht ins Weite“ und „umgekehrtes Heimweh“. Die Literatur der Romantik schuf mit dem Begriff der „blauen Blume“ ein Sinnbild für die Sehnsucht nach der Ferne, für die Suche nach dem Unerreichbaren und Unendlichen. Zum ersten Mal tauchte das Wort Fernweh gegen 1835 in der Literatur auf, und zwar in einer Reiseerzählung des berühmten Schriftstellers und Landschaftsarchitekten Fürst Pückler-Muskau. Hier schrieb er, dass er „niemals an Heimweh, vielmehr an Fernweh leide“. Die neue Wortschöpfung wurde rasch aufgegriffen und fand ihren Platz in der Bildungssprache, in Poesie und Kunst.

Im 20. Jahrhundert hat sich dann die Tourismusbranche des Begriffs bemächtigt. Seither wird Fernweh mittels gezielter Werbung quasi künstlich erzeugt, u.a. durch verlockende visuelle Darstellungen von Reisezielen in aller Welt. Es ist so zu einem bedeutenden internationalen Wirtschaftsfaktor geworden. Dabei hat Fernweh nicht nur mit Reiselust zu tun, wie die Wissenschaft heute herausgefunden hat. Tatsächlich kann sich dahinter auch einfach nur der Wunsch nach Veränderung bzw. Abwechslung in einem mehr oder weniger grauen Alltag verbergen. Der eine verspürt vielleicht eine diffuse Unruhe, der andere ist unglücklich und deprimiert. Diesem Leidensdruck kann man durch Reisen entfliehen, oder, wenn das nicht möglich ist, durch das Abtauchen in Fantasiewelten, die sich z.B. in Büchern, im Theater oder aber auch in Ausstellungen in Museen finden lassen. Wissenschaftler bezeichnen Fernweh daher auch als eine wichtige „Kulturtechnik des Daheimbleibens“.

Uns jedenfalls hat die „Kulturtechnik“ Fernweh zu einer neuen Ausstellung inspiriert. Die Sammlung der Ernsting Stiftung hat sich hier einmal mehr als hervorragende Quelle erwiesen: Wir haben uns auf die Suche begeben und dabei das gesamte Spektrum der Sammlung ausgeschöpft. So haben wir eine breitgefächerte Palette unterschiedlichster Skulpturen, Objekte, Gefäße und Wandinstallationen entdeckt, die auf ihre eigene Weise, mal augenzwinkernd, mal nachdenklich, auf andere Länder und Kulturen verweisen und Assoziationen zum Thema Fernweh zulassen. So wird der Rundgang durch die Ausstellung zu einer Reise in die nahe und vor allem in die weite Welt.

Nach aktueller Landesverordnung gilt die 2G-Regel oder die 2G+-Regel!

Foto oben: Jens Gussek, Flugzeug, 1996 – Foto Ron Zijlstra

Fotos von links:

Gareth Noel Williams, Deep in my own world, 2001 – Foto Ron Zijlstra

Vittoria Parrinello, The perimeter of air, 2014 – Foto Vittoria Parrinello

Jens Gussek, Flugzeug, 1996 – Foto Ron Zijlstra

Gabriela Volna, Mensch und Wasser, 2003 – Foto Ron Zijlstra

Michael Behrens, Seaforms 2014-116, 2014 – Foto Paul Niessen

Dale Chihuly, Cerulean Blue Macchia, 1991 – Foto Glasmuseum Lette

Jens Gussek, Blue ship, 2004 – Foto Ron Zijlstra

Ned Cantrell, Tiger in a Tropical Storm, 2016, Detail – Foto Ned Cantrell

Winnie Teschmacher, Light of the soul, 2007 – Foto Louis Sonderegger

Irene Rezzonico, Armadillo cousin from Africa, 1998 – Foto Ron Zijlstra

Kati Kerstna, Drums 1+2, 2014 – Foto Glasmuseum Lette

Ivana Houserova, Butterfly, 2006 – Foto Tomas Hilger