Neuerwerbungen 2012

Was tut sich in der europäischen Glasszene? Dieser Frage sind wir auch im vergangenen Jahr 2012 wieder intensiv nachgegangen. Auf unseren Reisen zu Ausstellungen, Messen und Galerien trafen wir Künstler aus ganz Europa. Ein großer Teil der über 70 neuerworbenen Werke stammt von tschechischen Künstlern. Das liegt vor allem daran, dass wir die Studenten der drei wichtigen tschechischen Kunstakademien in Prag, Ústí nad Labem und Zlín, sowie anschließend ihre Professoren Rony Plesl, Ilja Bílek und Peter Stanický mit beachtlichen Werken ausstellten. Zudem zeigten etablierte Galerien in Deutschland häufig tschechisches Glas.

Auch die Ausstellungstätigkeit der Glasmuseen im In- und Ausland war sehr umtriebig. So präsentierte das Glasmuseum im belgischen Lommel zum ersten Mal den International Glass Prize 2012. Intuitiv erwarben wir die später prämierten Arbeiten des ersten Preisträgers Yoshiaki Kojiro und der Gewinnerin des Publikumspreises Siobhan Healy. Beide Werke bestechen mit ihrer enormen Anziehungskraft: So möchte man den einem rissigen und zackigen Eisblock ähnelnden Glaswürfel des Japaners trotz möglicher Verletzungsgefahr gern berühren. Und die zarten gläsernen Pflanzen scheinen aus dem massiven, überformatigen Herbarium der britischen Künstlerin herauszuwachsen.

Beeindruckend war die Reise nach Schweden. Dort trafen wir auf Künstler, die uns schon seit Gründung der Sammlung vertraut sind, aber auch auf neue ausgezeichnete und sehr produktive Künstler und Designer Schwedens. Ingegerd Råman z.B. ist eine der prominentesten Persönlichkeiten des schwedischen Designs. Ihre Kunst ist schnörkellos, bis auf das Wesentliche reduziert und von schlichter, zeitloser Schönheit mit exzellentem Schliff. Martti Rytkönen dagegen mag das verspielte, poetische Element. Er selbst sagt über sich: „Wenn es um Glas geht, bin ich ein Schwätzer“.

 

Fotos von links:

Rony Plesl, Scene of Red, 2012 – Foto Tomáš Brabec & Patrik Borecký

Yoshiaki Kojiro, Shiro former 2, 2010 – Foto Yoshiaki Kojiro

Martti Rytkönen, Puppet Show 7, 2010 – Foto AHH

Siobhan Healy, Herbarium, 2011 – Foto Lighthouse Photographics

Neuerwerbungen 2013

„Mit Glas zu arbeiten offeriert mir eine unbegrenzte Vielfalt an Möglichkeiten“, so beschreibt die Schweizer Künstlerin Veronika Suter die Welt des Glases. Ihre freundlich, keck, aber auch ernst dreinschauende „Zaungäste“ begrüßen Sie von nun an draußen auf dem Weg zum Museum. Stets ist bei der Suche nach neuen Objekten für die Glassammlung festzustellen, dass das Material und Medium Glas eine schier unendliche Fülle von Optionen birgt. So gestaltet sich jedes Jahr immer wieder anders als das vorhergehende – ganz wie im Leben: Man weiß nie genau, was passiert und wem man begegnet. Offen, unvoreingenommen und flexibel auf alle künstlerischen Erlebnisse zu reagieren, ist dabei oberste Prämisse.

In der neuen Ausstellung präsentieren wir die spannenden Ergebnisse der Entdeckungsreisen 2013. Rund 60 neue Arbeiten sind fast wie im Uhrzeigersinn von Künstlern aus ganz Europa erworben worden: Dänemark, Schweden, Polen, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Italien, Schweiz, Frankreich, Deutschland, Niederlande und England. Das Hauptgewicht liegt diesmal bei skulpturalen Arbeiten. Es sind teils abstrakte Werke, wie das leuchtend blaue „Propagate“ der britischen Künstlerin Shelley Doolan oder das aus einer Vielzahl von geblasenen und geschnittenen Glasteilen zusammengesetzte “Between Fragment and Whole” von Jeannet Iskandar aus Dänemark. Aber auch Figurales ist dabei, z.B. das geheimnisvolle „Portrait“ des Bulgaren Hari Arabyan.

Lassen Sie sich die inspirierende, grenzenlose Welt des Glases nicht entgehen!

 

Fotos von links:

Shelley Doolan, Propagate, 2012 – Foto Simon Bruntnell

Oldrich Pliva, Un-Endlich, 2012 – Foto Horst Kolberg

Hari Arabyan, Portrait, 2012 – Foto Sandro Arabyan

Emmanuel Babled, Osmosi Vase, 2013 – Foto Nicole Marnati

GESPONNEN UND GEZOGEN – KUNSTWERKE AUS LAMPENGLAS

Lampenglas ist eine alte Technik, mit der Glasobjekte nicht am Ofen, sondern vor der offenen Flamme eines Gasbrenners, der sogenannten „Lampe“, geformt wer­den. Traditionell gilt sie als Kunst der kleinen Form, die es erlaubt, Perlen, Miniaturen, Verzierungen oder kleinforma­tige Gefäße perfekt zu gestalten. In den letzten Jahren haben Künstler diesen Typus Glas jedoch geradezu revolutioniert: Mit freien, plastischen, teilweise auch großformatigen Objekten führen sie das Lampenglas heute auf völlig neue Wege.

Diese Entwicklung haben wir bereits im Sommer 2010 in unserer Ausstellung “Netz, Stab, Stachel – Weltbild und Poesie. Zeitgenössisches Lampenglas aus fünf Nationen“ vorgestellt. Jetzt führen wir das Thema weiter und präsentieren Ihnen Arbeiten von der Luxemburgerin Anne Claude Jeitz, dem Franzosen Alain Calliste und dem Deutschen Jörg Hanowski. Alle drei haben die Grenzen des traditionellen Lampenglases längst überschritten. Sie kennen sich seit Jahren, künstlerische Projekte führen sie immer wieder zusam­men. Eigens für unsere neue Ausstellung haben sie mit „Playground“ sogar ein gemeinsames Werk geschaffen.

Anne Claude Jeitz und Alain Calliste sind Ehepartner und auch künstlerisch eng miteinander verbunden. Gemeinsam er­schaffen sie poetische Kunstwerke in Filigrantechnik, mit denen sie inzwischen international Maßstäbe gesetzt haben. Ihre Arbeiten in „verre filé“, einem netzartig gesponnenen Spitzengewebe aus Glas, erzählen Geschichten von ihren zahlreichen Reisen und menschlichen Begegnungen, mit einem kritischen und doch warmherzi­gen Blick auf die Dinge und die Menschen.

Von Formen der Natur und organischen Strukturen inspiriert ist der in Witten leben­de Jörg Hanowski. Auch er beherrscht Technik und Kunst gleichermaßen. Seine Werke sind raumgreifend und interaktiv – sie scheinen eine geheimnisvolle Verbin­dung mit ihrer jeweiligen Umwelt einzuge­hen. Darüber hinaus arbeitet er mit den leuchtenden Edelgasen Neon und Argon. Mit ihren teils geschwungenen, teils grafi­schen Formen verführen diese Leuchtob­jekte zum Spiel mit der Perspektive.

Lampenglas ist eine Technik, die man hautnah und direkt erleben kann. Das lässt es zu, dass Ihnen endlich live und zum Greifen nah die eingeladenen Künst­ler hier vor Ort demonstrieren können, wie ihre Kunstwerke entstehen.

 

Fotos von links:

Anne Claude Jeitz u. Alain Calliste, Symphony, 2009 – Foto Anne Jeitz

Jörg Hanowski, Biogenese 1, 2003 – Foto Lutz Naumann

Jörg Hanowski, Phytoplankton 2, 2014 – Foto Norbert Dähn

Anne Claude Jeitz u. Alain Calliste, Patience, 2010 – Foto Anne Jeitz

Zu Gast: Estland

Estnisches Glas entspricht in seiner Art sehr dem Land, aus dem es stammt. Es ist sowohl robust als auch verletzlich, es strahlt Ruhe aus und manchmal Ruhelosigkeit“, so beschreibt Mare Saare, eine der bekanntesten estnischen Künstlerinnen, die außergewöhnliche Glaskunst ihrer Heimat.  Als wir estnischem Glas vor einigen Jahren zum ersten Mal begegneten, waren wir von seiner Ausdruckskraft und klaren Formensprache sofort fasziniert – und es überraschte uns sehr, dass sich in dem kleinen baltischen Land fast unbemerkt von der westeuropäischen Kunstszene eine eigenständige Glaskultur auf höchstem Niveau entwickelt hat.

Estlands Glasszene ist noch jung: Sie konnte sich erst im Laufe der 90er Jahre frei entfalten. Während der Sowjetzeit von 1940 bis 1991 gab es kaum Möglichkeiten, mit Glas künstlerisch zu arbeiten, weder konzeptionell noch technisch. Stattdessen bestimmte Massenproduktion die einstigen Glaswerkstätten, die im ersten Drittel des 20.Jh. gegründet worden waren, um importierte Glas- und Kristallwaren mit kalten Techniken wie Schliff und Gravur zu veredeln. Die Studioglas-Bewegung erreichte Estland daher recht spät: 1991 wurde der erste Ofen von Viivi-Ann Keerdo und Kai Koppel in Tallin errichtet. Arbeiten dieser beiden Pionierinnen sind in der neuen Ausstellung zu sehen. Auch wenn traditionell die kalten Techniken sowie das optische Glas nach wie vor eine große Rolle spielen, so bevorzugt die jüngere Generation heute doch die Arbeit am Ofen, die schier grenzenlose künstlerische Experimente ermöglicht.

Mit unserer neuen Ausstellung geben wir einen Einblick in diese ungewöhnliche, junge Glasszene Estlands, die hierzulande noch kaum bekannt ist. Dank des großen Engagements der estnischen Künstlerin und Kuratorin Kati Kerstna können wir Ihnen rund 40 eigenwillige Arbeiten präsentieren, die zum Teil eigens für unsere Ausstellung entstanden sind. Beteiligt sind 22 estnische Glaskünstler – renommierte Persönlichkeiten, die sich inzwischen in der internationalen Szene etabliert haben, aber auch junge Kreative, die ihren ganz eigenen Weg gehen.

Fotos von links:

Rait Prääts, Round table, 2012 – Foto AHH

Mare Saare, Double Fragile, 2013 – Foto Mare Saare

Piret Ellamaa, Do you hear, 2013 – Foto Horst Kolberg

Kati Kerstna, Drums 1+2, 2014 – Foto AHH

 

Zu Gast: Polen

Wroclaw, polnisch für Breslau, gilt bis heute als ein traditionsreiches Zentrum für Glas. Einst war diese Stadt Metropole der historischen Region Schlesien und schon im 13. Jhd. Produktionsstätte von Glas. Im 17. Jhd. wurde die Glasveredelung (Gravur, Schnitt und Bemalung) derart meisterlich vorangetrieben, dass Glas aus Schlesien ein international begehrter Exportartikel war. Aber auch neue Techniken aus Italien wie Filigran und Millefiori hatte man hier frühzeitig aufgegriffen und weiterentwickelt.

Aus diesen Wurzeln reifte nach dem 2. Weltkrieg ein erstaunlich vielseitiges Glasschaffen in Polen. Große Strahlkraft hatte dabei Wroclaw dank seiner 1946 gegründeten Akademie der Bildenden Künste – bis heute ist sie eine der dynamischsten Kunsthochschulen des Landes. Hier wurde die in Polen einzige Fakultät für Glas und Keramik eingerichtet, die sich rasch zum Zentrum für neue künstlerische und glastechnische Impulse entwickelte. Sie vermittelt eine fundierte Ausbildung auf technisch-handwerklicher Ebene, um die Studierenden für den künstlerischen Umgang mit konventionellen und neuen Techniken der Glasformung zu befähigen. So eröffnen sich ihnen Perspektiven, sich schöpferisch zu entfalten und einen eigenen künstlerischen Ausdruck zu finden.

Unsere Gäste aus Polen, zum Teil international renommierte Lehrer, Absolventen, und Studenten der Glasabteilung, präsentieren Ihnen rund 60 Arbeiten. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie beherrschen den Umgang mit den unterschiedlichen Glastechniken perfekt, doch brechen und interpretieren sie gleichzeitig die langjährige Tradition der Abteilung Glas ständig neu. Ihre Werke sind abstrakt, skulptural, narrativ, ironisch oder einfach nur berührend. Jedes Werk ist einzigartig in Charakter, Aussage, Stil und Form, ein Ausdruck des individuellen Zugangs des Künstlers zum Medium Glas. Unser besonderer Dank gebührt der polnischen Künstlerin Marzena Krzeminska-Baluch. Sie fungierte als Vermittlerin zwischen den Künstlern und der Stiftung. Auch Marzena Krzeminska-Baluch ist mit kraftvollen und dennoch stillen Arbeiten vertreten.

Herzlich Willkommen, schön, dass Sie da sind – Serdecznie Witam, Cieszymy się że Państwo z nami są!

Fotos von links:

Wojtek Peszko, Archa III, 2008 – Foto Stanislaw Sielicki

Marzena Krzeminska, Between 3, 2011 – Foto Stephen Vest

Patrycja Dubiel, Nihil Novi, 2010 – Foto AHH

Stanislaw Sobota, Turquoise Atoll, 2013 – Foto Stanislaw Sielicki

Neuerwerbungen 2014

Es ist wieder soweit – traditionell laden wir Sie zur ersten Ausstellung mit den Neuerwerbungen des zurückliegenden Jahres ein. Mit Beginn eines neuen Jahres stellen wir uns immer wieder die Fragen: Welche Ausstellungen werden wir besuchen, wie viele neue Künstler können wir für die Sammlung gewinnen, treffen wir altbekannte mit frischen, pfiffigen und fröhlichen Arbeiten oder lernen wir neue Techniken kennen?

Ins Staunen gerieten wir im vergange­nen Jahr beim Besuch des Coburger Glaspreises. Hier landeten wir gleich einen Volltreffer – wir hatten das große Glück, die mit dem 1. Preis ausgezeich­nete Arbeit für unsere Sammlung er­werben zu können: „Blind Boxes for NoThing“ der dänischen Künstlerin Karen Lise Krabbe. Es sind fragile Do­sen aus Glaspuder und Olivin (wie Glas gehört es zu den Silikaten), die nur im geöffneten Zustand als solche zu erken­nen sind. Mit äußerster Perfektion wur­de das Material Schicht um Schicht in eine Sandform gegossen, was die Illusi­on weckt, sie seien auf natürlichem Weg entstanden, wie durch Wind und Erosion geformte Sandschichten. Ka­ren Lise Krabbe spielt nicht nur mit der traditionellen Form und Funktion von Glas, sondern auch mit der Wahr­nehmung des Betrachters.

Die Lampenglasszene läuft auf Hoch­touren, die Inspirationen der Künstler reißen nicht ab, so auch bei Oliver Drobar aus Deutschland. Seine Werke bestechen durch ihre unglaubliche Zartheit: Sie sind fein gearbeitete Glas­netze mit schwingenden Strukturen, die schon auf kleine Luftbewegungen reagieren. Drobar selbst bezeichnet seine Objekte als lebendiges Glas.

Ein weiteres Highlight präsentierte uns das Museum Glazenhuis im belgischen Lommel, das unter dem Titel „UK Glass“ neues künstlerisches Glas aus Groß­britannien vorstellte. Sie können sicher sein, auch dieser Besuch blieb nicht ohne Folgen für die Sammlung! Die Fensterbilder „Window I + II“ der Künstlerin Erin Dickson beanspruch­ten unsere Aufmerksamkeit. Ihr Ziel, ihre Fenster als autonome Kunstwerke und nicht als Teil der Architektur zu verstehen, erreicht sie mit einer Tech­nik, welche das Motiv verunklärt und den Betrachter manipuliert.

Seien Sie gespannt und freuen Sie sich mit uns auf eine abwechslungsreiche Ausstellung mit unseren „Neuerwer­bungen 2014“!

 

Fotos von links:

Oliver Drobar, Eisschmelze, 2011 – Foto Daniel Heydecke

David Reekie, Daggers Drawn III, 2012 – Foto David Reekie

Julia Malle, Spheres, 2010 – Foto Horst Kolberg

Stanislaw Borowski, The Bird III, 2006 – Foto Sasa Fuis

 

„münchner freiheit“

An der Münchner Akademie der Bildenden Künste wird künstlerische Freiheit groß geschrieben. Sie versteht sich als Versuchslabor, als Nährboden für Lösungen jenseits aller Konvention.

Für die Studenten, die es aus aller Welt nach München zieht, ist dies Verlockung und Herausforderung zugleich. Sie zu meistern, setzt nicht allein Begabung, sondern auch Mut, Selbstbewusstsein und einen freien Geist voraus. Um ihre künstlerischen Ideen frei und selbstbestimmt verwirklichen zu können, stehen ihnen 18 Studienwerkstätten zu Verfügung, davon gleich zwei für den Bereich Glas. Damit gehört München zu den wenigen deutschen Kunstakademien, die überhaupt den künstlerischen Umgang mit Glas ermöglichen. In der Studienwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik steht den Studenten Thierry Boissel beratend und unterstützend zur Seite. Er hat sich seit langem in der Glaskunst etabliert und vor allem die Technik des Fusings in der Glasszene salonfähig gemacht. Mittelpunkt der zweiten Studienwerkstatt ist das Skulpturale Glas, geleitet wird sie von dem jungen Künstler Sebastian Rauscher.

In unserer neuen Ausstellung präsentieren 16 Studenten und Absolventen der Münchner Akademie Installationen, Lichtobjekte, Bilder und Skulpturen aus Glas. Die Werke sind eigenwillig und individuell, wie die jungen Künstler selbst. Sie kommen aus verschiedensten Fachbereichen der Akademie, sei es die Freie Malerei, Bildhauerei, Kunstpädagogik, Architektur oder die Glasklasse. Einige haben zuvor Glasfachschulen besucht oder sind ausgebildete Glas- und Porzellanmaler, andere haben früher Holztechnik gelernt oder kommen aus ganz anderen Berufszeigen. Eins aber haben sie alle gemeinsam: die Faszination am Glas und den Willen, es neu zu gestalten.

Begrüßen Sie also mit uns: Garance Arcadias, Aida Bakhtiari, Kris Buckley, Alexander Emil Deubl, Aurélie Dupin, Daniel Huss, Arina Kunz, Antonia Leitner, Alkaya Nazli, Henriette Olbertz-Weinfurter, Steffen Orlowski, Sebastian Rauscher, Bongchull Shin, Laura Stracke, Keiyona C. Stumpf, Neringa Vasiliauskaite – und, last but not least, ihren Leiter Thierry Boissel.

 

Fotos von links:

Bongchull Shin, Würfel B3613, 2013 – Foto AHH

Aida Bakhtiari, Schwindel, 2015 – Foto Aida Bakhtiari

Nazli Alkaya, Kampf, 2009 – Foto Hildegard Morian

Neringa Vasiliauskaite, Objekt 1, 2015 – Foto Neringa Vasiliauskaite

Reiseziel Glas

Glas als Reiseziel – mit unserer neuen Ausstellung möchten wir Sie auf eine Entdeckungsreise durch die facettenreiche Welt des Glases mitnehmen.

Dazu haben wir Glas aus fünf ganz unterschiedlichen Sammlungen zusammengetragen. Es sind repräsentative Arbeiten, die das Medium Glas von seiner Historie bis in die Gegenwart, von seiner Zweckmäßigkeit bis hin zur freien Kunst, vom Hohlglas bis zum Flachglas zeigen. Für diese umfassende Ausstellung hat die Stiftung etablierte und renommierte Museen eingeladen, ihre unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkte, die nicht zuletzt durch ihre typische Geschichte geprägt wurden, vorzustellen. Jedes Museum wirft ein ganz eigenes Schlaglicht auf das Material.

Das LWL-Industriemuseum / Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur – Glashütte Gernheim in Petershagen befindet sich in den historischen Gebäuden einer früheren Glashütte.
Neben einer musealen Präsentation der Glasherstellung des 19. und 20. Jh. unterstützt das Museum Künstler,im erhaltenen Glashüttenofen eigene Werke selbst herzustellen. Das Glasmuseum Immenhausen befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte Richard Süßmuths, der anspruchsvolles Kunst- und Gebrauchsglas, u.a. die berühmte AE-Serie mit filigranem Strahlenschliff, entwickelte. Das Museum beschäftigt sich mit der regionalen historischen Glastradition bis hin zur modernen internationalen Studioglaskunst. Das Deutsche Glasmalerei-Museum Linnich ist ein landesweit einzigartiges Museum für Flachglasmalerei, das der nationalen und internationalen Glasmalerei ein Forum bietet. Linnich wurde zum Standort des Museums, da hier seit 1857 die älteste deutsche noch tätige Glasmalereiwerkstatt Oidtmann beheimatet ist. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster beherbergt in seinem Sammlungsbestand zur Landesgeschichte auch historisches Glas aus Westfalen. Das Glasmuseum Rheinbach mit Sammlung Mülstroh zeigt in seiner Dauerausstellung wertvolle Gläser vom Barock bis zum zeitgenössischen Studioglas und gibt einen Überblick über die Kunst böhmischer Glasherstellung und -veredelung. Zur Glasstadt mit Staatlicher Glas­fachschule wurde Rheinbach übrigens durch die Ansiedlung sude­tendeutscher Glasveredler nach dem Zweiten Weltkrieg.

Inspiration zu unserer neuen Ausstellung gab uns die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Glas Museen, ein Kooperationsprojekt von Glasmuseen und Sammlungen aus NRW. Das Netzwerk Glas Museen will Neugier und Interesse wecken und zum Staunen über die unbegrenzten kreativen Möglichkeiten des Materials Glas bringen.

 

Fotos von links:

Karin Hubert, Gluckerflaschen, 2013 – Leihgabe LWL-Industriemuseum Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur – Glashütte Gernheim – Foto Martin Holtappels

Richard Süßmuth, Serie AE 364 mit Strahlenschliff, 1954, Leihgabe Glasmuseum Immenhausen – Foto Christian Ruhlig

Renate Groß, Beziehungskiste Wassermond, 1995, Leihgabe Glasmuseum Rheinbach – Foto Siegmut Seeger

Anton Wendling, Sternrose, 1957, Leihgabe Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich – Foto Stefan Johnen

Neuerwerbungen 2015

Die europäische Glasszene bleibt lebendig und steckt voller Überraschungen.

Zu einer attraktiven Adresse für Liebhaber von Kunst aus Glas hat sich in den letzten Jahren z.B. die alljährliche Ausstellung „Ovengevormd Glas“ im niederländischen Joure entwickelt. Auf dieser internationalen Schau haben wir viele interessante Newcomer getroffen, die frisch und unvoreingenommen an die Kunst herangehen. Eine von ihnen ist die aus der Ukraine stammende Nataliya Vladychko. Ihre zarten, nostalgischen Spitzentaschentücher aus feinem Pâte de verre entführen in die vergangene Zeit, in der ein solches Utensil von hohem Wert war. Ein langgehegter Wunsch erfüllte sich hier endlich, Werke der renommierten Künstlerin Heike Brachlow ausgestellt zu sehen. Die Wahlengländerin ist äußerst selten in Deutschland vertreten, umso glücklicher schätzten wir uns, sie in Joure mit ihren präzis geschmolzenen und geschliffenen autonomen Arbeiten kennenzulernen. Mit „Ellipsis III“ begrüßen wir die Künstlerin in unserer Sammlung.

Erstmals besuchten wir die British Glass Biennale in Stourbridge. Auch dieser Besuch fand seine Belohnung: Wir erwarben die mit dem 1. Preis ausgezeichnete Skulptur von Ashraf Hanna. Der aus Äthiopien stammende Künstler arbeitet meist mit gegossenem Glas. Ihn faszinieren Formen, die sich scheinbar verwandeln und die Aufmerksamkeit des Auges auf ihre dreidimensionalen Aspekte lenken. Unter der repräsentativen Anzahl der Exponate fiel die Wahl auf einige Neuzugänge, aber auch auf einen inzwischen „Altbekannten“, auf Louis Thompson. “Panicum“, Ausdruck von Harmonie und Magie, ergänzt formal und stilistisch seine bereits in der Sammlung vertretene „DNA-Helix“ .

Auch in Deutschland fanden 2015 dank der Glasmuseen Immenhausen und Rheinbach gleich zwei bekannte Glaspreisverleihungen statt. Der Besuch dieser Ausstellungen blieb ebenso nicht ohne Folgen. Werke voller Poesie bereichern nun die narrative Seite der Glassammlung.

 

Fotos von links:

Louis Thompson u. Hanne Enemark, Panicum in Amethyst, 2015 – Foto Ester Segarra

Ashraf Hanna, Untitled 1, 2014 – Foto Ester Segarra

Christina Kargl, Bowls of Nature, 2014 – Foto Christina Kargl

Michael Behrens, Seaforms 2014-116, 2014 – Foto Paul Niessen

Neuerwerbungen 2016

Südafrika, Japan, USA – und vor allem Australien! Aus diesen Ländern und Kontinenten stellten talentierte Künstler im vergangenen Jahr ihre ausgezeichneten Werke in Europa aus. Anlass für die Stiftung, sich auf den Weg zu machen, um die sehenswerten Objekte live zu sehen, in der Hoffnung, die Sammlung mit weiteren vielfältigen Werken zu bereichern.

Es fiel auf, dass vor allem Künstler aus Australien in der europäischen Glasszene vertreten waren, doch schien hier die australische Glasgeschichte zu ihren Wurzeln zu finden. Denn, Initialzündung für die Entwicklung des australischen Glases gab einst der deutsche Künstler Klaus Moje (1936-2016). Er wurde 1982 an die Kunstschule der Nationaluniversität Canberra berufen, um dort ein Studienprogramm für zeitgenössisches Glas aufzubauen. Es gelang ihm sehr bald, das Glas zu einer anerkannten künstlerischen Disziplin in Australien zu machen. Viele seiner einstigen Schüler geben heute der internationalen Glasszene bedeutende Impulse. Ein vielversprechender australischer Newcomer ist Marcel Hoogstad Hay, der mit traditionellen venezianischen Techniken und aufregenden Farbspielen arbeitet. Giles Bettison hat sich in der Kunstwelt längst etabliert. Seine meisterhaft gefertigten Murrini-Gefäße sind ebenfalls eine Reminiszenz an die italienische Glaskunst und ihre Weiterführung in eine heutige Komposition ungewöhnlicher Muster.

Zu Hause in Lette veränderten sich im Laufe des Jahres unsere Außenanlagen – sowohl vor dem Museum als auch vor dem Glasdepot: So bespielen H.-W. Horns imposante Floatglas-Skulptur „Spurensuche, I learn from disaster“ oder Wladimir Rudolfs nahezu schwebende Objekte „Flüchtigkeit des menschlichen Lebens“ die Grünfläche vor dem Glasdepot. Auch Torsten Rötzschs skurrile Installation „Valge“ beweist in der Anlage vor dem Museum, dass Kunst und Natur eine fast magische Verbindung eingehen können.

Wir laden Sie herzlich ein zu neuen Begegnungen mit der grenzenlosen Welt des Glases!

Fotos von links:

Giles Bettison, Billett 09-6, 2009 – Foto AHH

Manuela Castro Martins, Impossible Jar I, 2012 – Foto Jorge Manuel Enes Soares

Yoshiko Okada, Three friends of winter – Bamboo, 2014 – Foto Ester Segarra

Vittoria Parrinello, The perimeter of air, 2014 – Foto Vittoria Parrinello